Samstag, 11. Februar 2017

Marokko – Sidi Ifni

Von Aglou geht es über die schöne Küstenstraße zügig nach Süden bis Sidi Ifni. Dort kommen wir an einer Bäckerei vorbei, in deren Hof ein riesiger Berg Holz liegt. Und da Holz hier mittlerweile zur Mangelware wird und wir schon sehr gerne abends Lagerfeuer machen, kaufen wir dem Bäcker soviel Holz ab, wie wir hinten an die Sandbleche befestigen können.
Dann fahren wir den uns empfohlenen Campingplatz El Barco direkt am Strand an. Dieser liegt quasi auf einer schmalen Landzuge zwischen Steilfelsen (daher leider erst am späten Vormittag Sonne) und Sand/Kiesstrand. Eine mittelhohe Mauer trennt den Platz von der Strandpromenade und dem Strand. Bei Flut ist das Getöse der Brandung schon fast beängstigend laut und 2014 muss dieser Platz für einige Tage völlig unter Wasser gestanden haben, als dieser und die Küste in der Umgebung, von einer Flutwelle erwischt wurde.
Nichts desto Trotz ist dieser Platz schön und dem Campingplatz um die Ecke vor zu ziehen, der völlig zugeparkt von Weißware ist.
Hier auf dem El Barco stehen unter anderem auch richtige Reisemobile und man kann interessante Menschen treffen. Die Akttraktion für Jim ist ein Strauß, der in seinem großen Gehege seine Runden dreht und mit altem Brot gefüttert werden darf.


Hier wollen wir ein paar Tage bleiben, Pause machen vom Fahren und uns Versorgen.
Am nächsten Morgen machen wir einen schönen Strandspaziergang. Es ist Ebbe und einige Marokkaner sind dabei Miesmuscheln von den nun an der Luft liegenden Felsen zu sammeln. Jim interessiert das sehr, läuft voraus und hilft einem der Männer die Muscheln abzupflücken. Dafür bekommt er von ihm einen ganzen Sack der Muscheln geschenkt, die wir abends in Weißwein zubereiten und die uns allen sehr gut munden.





Wir genießen endlich wärmere Temperaturen und die Kids planschen in unseren Plastiktragerln vor dem Laster in der Sonne (die Brandung des Atlantiks ist einfach zu heftig für die Kinder und das Wasser zu kalt hier). Das bereuen wir tags darauf schon fast wieder, da der tückische Wind hier wieder für allgemeinen Schnupfen sorgte. Und ich ärgere mich mal wieder mit einer Blasenentzündung herum. Anselm und ich saßen wohl abends zu lange draußen.

Am nächsten Tag stoßen Oliver und Sandra mit ihrem Magirus und ihren vier Hunden und Ralph mit seinem Landrover Hoppetosse und seinem Hund Feldmann zu uns auf den Campingplatz. Die drei haben sich auf unseren Internetaufruf gemeldet und da sie mit ihren Hunden auch keine täglichen Mammutstrecken fahren können und wir uns gleich sympathisch sind, werden wir uns schnell einig, die Westsahara und Mauretanien zusammen zu fahren.
Wir bleiben noch einige Tage auf dem Platz, kochen und essen zusammen, unterhalten uns, waschen Wäsche, versorgen die Fahrzeuge und kurieren unsere Erkältungen aus. Zudem machen wir Ausflüge zu Fuß nach Sidi Ifni hinein, um uns den schönen Fischerort anzusehen, die Fiche für die Westsahara und Mauretanien ausdrucken zu lassen ( ein Formblatt, das man für die zahlreichen Militär - und Polizeikontrollen ab der Westsahara vorbereiten sollte. Darauf sollten alle Daten zum Fahrzeug, Fahrzeughalter und Insassen, wie die Pass – und Einreisenummern, stehen und dieses dann gute 50x kopieren) und einkaufen zu gehen auf dem gut sortierten Markt, wo wir viel frisches Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Brot, Oliven und auch Jogurth und Butter erhalten. Dabei hat man von oben von der Promenade aus, eine herrliche Sicht auf den Campingplatz, den Strand und die Bucht.

Sidi Ifni wurde erst 1969 von Spanien an Marokko zurückgegeben, deshalb ist das iberische Erbe auch noch überall spürbar. Die allmählich verfallenden Art-deco-Gebäude an den hügeligen Straßen erinnern stark an imperialistische Ambitionen: Die Stadt lag mitten in der ehemaligen Kolonie Spanisch-Sahara und war ein Zentrum den Sklavenhandels. Später wurde hier tonnenweise Fisch ins spanische Mutterland exportiert. Ein alter Anleger im Hafen zeugt noch aus dieser Zeit.
Farblich dominieren Blau und Weiß und wenn die Sonne hinter der Promenade und den baufälligen Straßen versinkt und der Nebel des Atlantiks sich wie ein Schleier über alles legt, wirkt der Ort wie ein gespenstischer Außenposten.
Der Ort hat Charme und gefällt uns sehr.















Maya wird gerade immer noch umtriebiger und wir müssen immer ein Auge auf sie haben, besser zwei. Sie steigt bei Sandra und Oliver die Leiter zu deren Laster hoch und stürzt so unglücklich von dieser, dass sie mit dem Hinterkopf auf dem Boden landet und furchtbar blutet. Der Schreck ist groß. Doch können wir Maya mit Rescuetropfen schnell beruhigen und dann feststellen, dass es doch nur ein kleiner Kratzer ist. Kopfwunden bluten einfach immer erschreckend stark. Wir desinfizieren den Kratzer und lassen die Wunde ansonsten in Ruhe. Das größte Drama ist ein paar Tage später das Waschen der Haare mit Spülung, um die Knoten in den Haaren wieder heraus zu bekommen, da wir ein paar Tage die Haare aufgrund der Wunde nicht gekämmt haben.

Jim freundet sich auf dem Platz schnell mit einem holländischen älteren Ehepaar an und zieht quasi ein paar Tage bei diesen in deren Wohnmobil ein. Mehrere Stunden am Tag verbringt er bei diesen, lässt sich durchfüttern, spielt mit deren Hund, genießt das Fernsehprogramm und hat seine Ruhe, wie er sagt. Wir kommen mehrmals täglich abwechselnd zu dem Ehepaar und erkundigen uns nach Jim. Diese versichern uns, dass es in Ordnung sei, wenn er bei ihnen ist, da sie daheim auch Enkel hätten und wüssten wie das so sei mit denen. Wir sind irgendwie froh, wenige Tage ein paar Stunden am Tag nur ein Kind zu betreuen und gönnen Jim die Ersatzgroßeltern auf Zeit.

Zwischen drin fährt er wie ein wilder mit seinem Rad über den Platz oder geht seinen Freund, den Strauß, füttern.

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