Dienstag, 30. Dezember 2008

Äthiopien – Gondar – Dabark, Simien Mountains

Von unserem ersten und wilden Stellplatz in Äthiopien, ging es über die staubige und teilweise krottige Piste durch die Berge ca. 60km weiter Richtung Gondar.
Dabei wurde die Landschaft immer schöner und spektakulärer. Die Piste schlängelte sich die Berge bis auf fast 2500m hoch. Kleinere Abschnitte waren dabei immer wieder geteert. Auch hier ist man dabei, die „Hauptstrasse“, langsam, aber sicher zu teeren.
In Gondar, legten wir dann wieder einen kleinen Stopp ein, um unseren zweiten Ersatzreifen auf die Felge des platten Reifen aufziehen zu lassen. Dabei hatten die Männer des Reifenshops alle Hände voll zu tun. Das ganze dauerte fast zwei Stunden und artete in richtiger Knochenarbeit aus, da sich der Reifen von der Felge nur sehr schwer lösen ließ. Anselm fuhr mit dem Dicken auf den Reifen, um diesen von der Felge zu drücken. Das hätten wir, so ohne weiteres am, Straßenrand alleine nicht geschafft. Christoph und ich machten uns derweil auf die Suche nach äthiopischen Simkarten für unsere Handys, was sich hier auch als wesentlich schwieriger, als im Sudan, herausstellte. Wir bekamen die Information, dass normalerweise nur Äthiopier Simkarten kaufen dürfen und so kauften zwei einheimische Jungs die Karten für uns....
Und endlich konnten wir wieder Bier erstehen....nach zwei Wochen völliger Abstinenz im Sudan, kauften wir gleich einen ganzen Kasten äthiopisches Bier. Und man höre und staune, die haben hier sogar so was, wie ein Pfandsystem. Mussten einiges, nur für die Flaschen und den Kasten liegen lassen. Das Bier an sich war recht günstig.
Über die Piste ging es weiter Richtung Norden. Wollen uns nicht direkt Richtung Süden nach Addis Abeba aufmachen, sondern etwas mehr von Äthiopien sehen und den wunderschönen Norden des Landes nicht verpassen. So wollen wir die nächsten Tage einen großen Bogen über Axum, Adigrat, Mekele, Dese und dann hinunter nach Addis Abeba fahren.
Die Piste schlängelte sich weiter die Berge hoch und oft hatten wir grandiose Ausblicke. Die Landschaft erinnerte uns manchmal sogar an unsere Berge im Allgäu. Wir fühlen uns sehr wohl hier...und es wurde deutlich kühler. Heute morgen hatten wir noch knappe 40Grad...jetzt nur noch knappe 20Grad. Wir frohren seit langem das erste Mal wieder. Überall waren Menschen und Tiere auf und an der Strasse. Autos waren nur wenige unterwegs. Wir mussten sehr aufmerksam fahren, um ja niemanden zu übersehen. Besonders schnell konnten, wir aufgrund der Piste, sowieso nicht fahren.
Je weiter wir von Gondar weg fuhren, desto mehr veränderte sich die Stimmung bei den Menschen. Wir kamen durch wirklich arme Gegenden, in denen die Menschen nur noch in Lumpen herum liefen und teilweise sehr dünn waren. Die Frage, nach Geld oder Essen, wurde immer bestimmter und harscher. Wir beschlossen, heute Nacht nicht wild zu stehen, sondern die ca. 50km bis Debark, dem nächst größeren Ort mit Hotels, weiter zu fahren, auch wenn es schon recht spät war und dämmerte...und dann flog der erste Stein. Wir hatten von dieser Unsitte schon gehört...es tat einen lauten Knall und mein erster Gedanke war, Scheiße, der nächste Reifen ist platt. Anselm hielt sofort an und wir liefen um den Dicken...die Reifen waren o.k....da war klar, dass jemand einen Stein nach uns geschmissen hatte. Die Leute kamen auch schon angelaufen und Anselm rief nur, “Schnell einsteigen, wir hauen hier ab“...eine unheimliche Situation. Als wir die Jungs ein paar Kilometer weiter wieder einholten, erzählten sie uns, dass auch Christoph von einem Stein getroffen wurde. Zum Glück ist ihm nicht mehr passiert und die Jungs tragen gute Helme und Motorradschutzkleidung...wir waren stinksauer und ziemlich verunsichert. Fuhren nun dicht zusammen weiter und nutzten die guten extra Scheinwerfer des Dicken, denn es war mittlerweile stockdunkel und wir mussten höllisch aufpassen, denn es waren weiterhin jede Menge Menschen und Tiere auf und an der Strasse unterwegs. Wir waren alle heilfroh, als wir Debark und das Hotel Simien Park erreichten. Hier durften wir mit dem Dicken und den Motorrädern auf den umzäunten Hof fahren. Die Jungs nahmen sich Zimmer...mit warmer Dusche. Was für ein Luxus. Wir waren heute so geschafft, dass wir nicht mehr kochten, sondern das Hoteleigene Restaurant nutzen und super leckere äthiopische Küche genießen durften...ziemlich erledigt gingen wir bald schlafen.













Sudan Khartoum – äthiopische Grenze bei Gallabat

Unser letzter Stehtag in Khartoum ging ebenfalls für Ausbesserungs – und Pflegearbeiten drauf, so dass uns keine Zeit mehr blieb, uns die Stadt ein wenig genauer anzusehen.
Heute traf noch Peder (Schwede) mit seinem Fahrrad im „Blue Nile Sailing Club“ ein. Ein lustiger, offener und gesprächiger Typ der viel zu erzählen hat. Er ist seit 6 Monaten unterwegs und will noch weiter bis China. Da er letztes Jahr mit einem Freund die Westküste mit dem Radel hinunter fuhr, konnte er uns einige gute Tipps für diese geben. Nachdem wir uns, zwischenzeitig, schon fast von den Westküstenplänen verabschiedet hatten (hatten zuviel negatives über diese gehört), fangen wir langsam wieder an, doch ernsthaft darüber nachzudenken, wie ursprünglich geplant, die ganze Runde zu fahren....Julchen und Micha, bringt Geld auf die Seite...dass wird doch noch was mit eurem Besuch an der Westküste, vielleicht nur ein wenig später, als erst gedacht. Wollen uns vorher für ein paar Monate eine Arbeit z.B. in Namibia suchen, um unsere Reisekasse aufzubessern und die Regenzeit an der Westküste abzuwarten...die wäre nämlich genau Juni/Juli/August...unsere ursprünglich geplante Reisezeit an der Westküste. Sind nun bereits von mehreren Leuten davor gewarnt worden, zu dieser Zeit dort hoch zu fahren. Die vielen unbefestigten Strassen seien dann wochenlang kaum mehr passierbar. Aber bis dahin vergeht noch einige Zeit und bekanntlich kann in dieser noch viel passieren...wir werden mit Sicherheit länger als ein Jahr unterwegs sein...peilen mittlerweile eher zwei Jahre an!!!!!
In Khartoum hatten wir dann noch einen netten Abend mit Peder, Florian und den anderen Jungs.
Bis wir am nächsten Tag wieder alles zusammen gepackt und erledigt hatten, war es wieder Mittags. Ich machte mich noch auf die Suche nach einem Postamt, um die obligatorischen Karten an meine liebe Mama und Freundin Jule in Berlin zu verschicken...was sich hier wieder als nicht ganz einfach heraus stellte. Musste eine Weile suchen und mich durchfragen. Von außen war das Postamt dann nicht als ein solches zu erkennen. Nur ein Briefkasten ließ darauf schließen, dass es sich vielleicht um ein solches handeln könnte. Das Innenleben wäre Filmreif gewesen. Es handelte sich um ein altes Gebäude aus der Kolonialzeit. Die einserne Gittertheke zog sich durch das längliche rot gestrichene Gebäude, hinter der die Postangestellten tätig waren. An der Decke liefen zwei alte große langsame Ventilatoren und die Briefmarken holte die Postdame aus einem großen alten Lederbuch...ich kam mir um ein Jahrhundert versetzt vor...bin gespannt, wie lange die Postkarten bis nach Deutschland brauchen werden.
Am frühen Nachmittag kamen wir dann endlich los. Mussten uns dann erst einmal wieder durch den Verkehr von Khartoum quälen. An einem großen Einkaufzentrum machten wir noch einmal halt und konnten ein überraschend gut sortierten Supermarkt nutzen, um mal wieder unsere Lebensmittel aufzustocken.
Dann verabschiedeten wir uns von Peder und Florian, die noch ein paar Tage in Khartoum verweilen wollen. Florian werden wir wohl wieder in Tansania treffen. Er möchte sich bei uns melden, wenn er dort ist, was wirklich schön wäre. Florian arbeitet in der Entwicklungshilfe und wir hätten große Lust, mehr über seine Arbeit zu erfahren. Die letzten Tage hatten wir meist nicht soviel Zeit, uns mehr darüber zu unterhalten. Peder wird sich von Khartoum Richtung Djibuti auf machen, um dort nach Jemen einzuschiffen und will von dort weiter nach China....unterwegs trifft man die interessantesten Menschen.
Bis wir dann entgültig los kamen, war es schon Spätnachmittags und so schafften wir heute nicht mehr ganz 200km auf geteerter Strasse. Kurz hinter Wad Maadi, südöstlich von Khartoum, schlugen wir uns, in der bereits völligen Dunkelheit, hinein in ein Feld und errichteten dort unser Nachtlager.
Der folgende Tag hatte es ziemlich in sich...fuhren früh los, da wir es heute bis zur äthiopischen Grenze schaffen wollten...wie so meist, in den letzten Tagen, starteten die Jungs eine Weile nach uns, da sie uns auf ihren Motorrädern sowieso schnell wieder einholten. Heute hatten sie uns keine 10Minuten überholt, wir waren erst ca. 70km gefahren, als plötzlich Schluss war mit fahren...ein lautes Geräusch ließ Anselm sofort stoppen. Und schnell war klar, wir hatten nach 10. 000km unseren ersten platten Reifen hinten rechts....Scheiße!!! Und die Jungs gingen nicht an ihre Handys. So mussten wir zu zweit den platten Reifen meistern, was wir dann auch erstaunlich schnell schafften. Nur die Sonne und die Hitze waren erbarmungslos. Und die vielen Busse fuhren gefährlich schnell an uns vorbei. Wir waren froh, dass der platte Reifen auf der rechten Seite war und wir so beim arbeiten durch den Dicken zur Strasse hin geschützt waren. Der platte Reifen hatte auf den ersten Blick nicht allzu viel Schaden genommen und wir nahmen uns vor, den zweiten Ersatzreifen, so bald als möglich, auf die Felge aufziehen und den platten Reifen überholen zu lassen.
Nach einer knappen Stunde waren wir wieder unterwegs...Wir waren nur ca. 70 weitere Km gefahren, als Christoph uns anrief...nun hatte er einen platten Reifen...auch seinen ersten nach 10.000km...was ist den heute los???? Wir hielten noch schnell an einer Tankstelle, tankten auf und besorgten ein paar kaltes Colas, im Wissen, dass das heute noch ein längerer Arbeitstag in der prallen Sonne werden könnte. Uns so war es dann auch. Nach weiteren 10km hatten wir die Jungs, die am Straßenrand auf uns warteten, wieder eingeholt. Christophs Hinterreifen sah nicht gut aus und musste dringend geflickt werden. Also bauten die Jungs diesen aus und fuhren mit dem Mantel zurück nach Gadaref, wo sie ihn flicken lassen konnten. Ich wartete bei den Motorrädern, währenddessen Gidion den Schlauch des Hinterrades flickte.
Als wir da so saßen und auf die Rückkehr von Anselm und Christoph warteten, kam Daniel (Kolumbianer) mit seinem Motorrad vorbei. Er gesellte sich zu uns und erzählte uns, dass er bereits seit sieben Monaten unterwegs ist, in Kolumbien gestartet war und von Argentinien nach Südafrika übergesetzt hatte. Er konnte uns einige gute Tipps für unsere nächsten Reiseländer Äthiopien, Kenia und Tansania geben. Im Gegenzug berichteten wir ihm vom Sudan, Ägypten, Jordanien und Syrien. So findet der zuverlässigste Informationsaustausch statt. Dann tauchten auch wieder Anselm und Christoph mit dem erfolgreich geflickten Mantel auf. Schnell war der Reifen wieder montiert und wir luden Daniel ein, mit uns zu essen und das Nachtlager zu teilen. Da der Tag bereits weit fortgeschritten war, hatten wir beschlossen, heute nicht mehr weiter zu fahren, sondern gleich an Ort und stelle die Nacht zu verbringen und am nächsten Tag die äthiopische Grenze, die noch gute 150km entfernt war, anzugehen. Hatten noch einen interessanten und gesprächigen Abend mit Daniel aus Kolumbien. Reisende Südamerikaner trifft man nicht allzu oft.
Am nächsten Morgen kamen wir schon gegen 8:00 los und waren gegen 11:00 an der Grenze...wie schon erwähnt, ist es an Grenztagen wichtig, früh los zu kommen. Man kann nie wissen, wie lang ein Grenzübergang dauern wird. Heute hatten wir Glück. In guten drei Stunden waren Aus- und Einreise gemeistert. Die Grenze war ziemlich interessant...hier waren wir jetzt wirklich in Afrika angekommen. Alles sehr war sehr bunt, chaotisch, einfach, eher ärmlich gehalten. Viele Menschen und Tiere waren dort und teilweiße trieben sich seltsame Gestalten herum. Wir waren schon gewarnt worden, gut auf unsere Dinge aufzupassen, da sie hier gerne klauen würden. Wir hatten dann fast eine logistische Herausforderung damit, unseren Grenzübergang zu planen und durchzuführen. So packten die Jungs alle losen Teile von den Motorrädern in den Dicken, diesen schlossen wir ab und ich blieb bei den Fahrzeugen, während sich die Jungs um die Ausreiseformalitäten der Fahrzeuge kümmerten. Sofort hatte ich mindestens 20 neugierige junge Männer um mich, was erst mal ein wenig seltsam war. Jedoch fühlte ich mich nicht unsicher. Ich wusste genau, sollte mir jemand zu nahe kommen, würde ich hier einen Aufstand machen, dass es das halbe Dorf mitbekommen würden. Ein vorbei kommender Polizist schickte alle Jungs, in einem ziemlich harschen Ton, von mir weg und dann hatte ich meine Ruhe, bis Anselm und die anderen wieder da waren. Dann gingen wir in zweier Gruppen zur Passkontrolle, um unsere Visa ausstempeln zu lassen. Nun hatten wir den ersten Schritt geschafft und konnten hinüber, zur äthiopischen Grenze fahren. Trotz, dass es da gleich noch viel ärmlicher war und das Grenzgebäude nur aus einer alten Lehmhütte bestand, fühlten wir uns hier wieder sicherer. Konnten die Fahrzeuge vor dem Gebäude stehen lassen, trugen noch einem bewaffneten jungen Mann auf, ein Auge auf die Fahrzeuge zu haben und machten uns dann daran, die Einreiseformalitäten zu erledigen. Die Beamten waren sehr nett, in zivil und gleich viel lockerer drauf, wie an der sudanesischen Grenze. Eine gute halbe Stunde später waren diese auch schon geschafft und wir liefen noch kurz durch den Grenzort, wo wir dann gleich mal einen Vorgeschmack auf dass, was uns die nächsten ca.2 Wochen bevorstehen würde, bekamen...nämlich auf Schritt und Tritt von Äthiopiern nach Geld, Stiften, Essen oder Kleidung gefragt bzw. angebettelt zu werden. „You, you, you...money“, hörten wir vor allem von den Kindern.
Da es auch wahnsinnig heiß war (man konnte sich wirklich die Finger am Dicken verbrennen, so heiß war es), beschlossen wir, schnell weiter zu fahren.
Ab hier hatten wir wieder auf einer Piste zu fahren und kamen so wieder langsamer voran. Wollten heute eigentlich noch bis Gondar fahren. Schnell war jedoch klar, dass wir dass heute nicht mehr schaffen würden. Die Landschaft hatte sich schon im Grenzgebiet im Sudan verändern. Man konnte wieder Berge, Bäume, mehr grüne Vegetation und mehr Wasser sehen. Die Natur wird hier wieder fruchtbarer und bald konnten wir auch große und kleiner Kornfelder am Straßenrand sehen.
Wir fuhren durch einige kleine Dörfer. Die Gebäude bestanden meist aus kleinen einfachen runden Hütten aus Stroh und Lehm. Viele Tiere, Esel, Ziegen und Schafe waren unterwegs und überall winkten und schrieen uns vor allem die Kinder hinter her...immer mit dem Spruch „You, you you, money“. Sobald wir anhielten, hatten wir umgehend ein paar neugierige Menschen um uns. Da konnte die Gegend noch so verlassen aussehen, von irgendwo kamen dann doch ein paar Kinder oder Hirten mit ihren Tieren. Umso erstaunlicher war es, als wir, schon bei einsetzender Dunkelheit nahe der Strasse, unser Nachtlager aufschlugen und den ganzen Abend keine Menschen auftauchten.
Die kamen dann erst am nächsten Morgen, als sie ihre Tiere zu ihren Weideplätzen trieben und unser seltsam anmutendes Lager entdeckten. Ich konnte sie schon hören, als sie frühmorgens um unseren Dicken schlichen und sich wahrscheinlich sehr über diesen amüsierten und wunderten. Anselm lud sie dann erst mal auf einen Tee ein und wir verteilten Kekse, während Gidion und Christoph jede Menge tolle Fotos machten.















Mittwoch, 24. Dezember 2008

Frohe Weihnachten und ein wundervolles neues Jahr....

Hallo, all ihr lieben daheimgebliebenen....
jetzt konnten wir schon lange keine Eintraege mehr ins Net stellen...Die Internetverbindung in Aethiopien war einfach zu schlecht und da wir fast jeden Tag am fahren waren, hatten wir auck keine Zeit zum schreiben.
Wir sind jetzt in Kenia, in Meru am Mount Kenya und wollen morgen am indischen Ozean oberhalb von Mombasa ankommen, wo wir dann die Feiertage verbringen und einen Bekannten, den wir unterwegs kennen gelernt haben, wieder treffen....und uns vorallem von den sehr schlechten Strassen im Sudan, Aethiopien und im Norden Kenias erholen...am Strand liegen, den Wellen zuhoeren und die Sonne geniessen...dann ist auch wieder Zeit und Muse fuer weitere Eintraege vorhanden...Fotos gibt es genug...Gibt es noch die Tage...versprochen!!!!!!
Bis dahin wuenschen wir euch wundervolle entspannte Weihanchten und einen guten Rutsch ins neue Jahr....
Sonnig heisse Gruesse aus Kenia...
Eure Johanna und Euer Anselm

Dienstag, 2. Dezember 2008

Sudan – Wadi Halfa – Nilroute Richtung Süden über Dongola nach Khartoum

In Wadi Halfa stockten wir nochmals unsere Gebrauchs –und Trinkwasservorräte, sowie unsere frischen Lebensmittel auf und erstanden eine lokale Handykarte, um billig mit den Jungs auf den Motorrädern kommunizieren zu können.
Dann ging es endlich weiter...es war ein gutes Gefühl, nach vier Tagen Warterei und Untätigkeit, wieder auf der Strasse zu sein....die Strasse allerdings, war nur die ersten 70km geteert...dann ging sie in eine, zum Teil, sehr schlechte,krottige und staubige Piste über. Da die Sudanesen gerade dabei sind, diese Piste in eine geteerte Strasse zu verwandeln, (in ca. einem Jahr ist auch diese Route komplett auf Teerstrasse zu fahren) mussten wir ständig durch Baustellen fahren und die Lastwägen, die uns in rauen Mengen entgegen kamen, wirbelten laufend den fiesen Staub auf...da es sehr heiß war, hatten wir die Fenster offen und konnten diese nicht immer rechtzeitig schließen. So hatten wir innerhalb kürzester Zeit den Staub überall...
Nach ca. 150km kamen wir wieder zurück an den Nil. Dieser ist hier wieder gesäumt von wunderschönen Palmenhainen. Die Piste führt an diesem in Richtung Süden durch viele kleine Ortschaften mit wunderschönen bunt bemalten Lehmhäusern.
Wir konnten viele Menschen sehen, die uns oft, am Straßenrand stehend, zuwinkten. Die Frauen sind hier in wunderschöne fröhlich bunte Kleider und Tücher gekleidet. Die Männer tragen, fast ausschließlich, ihre weißen und hellbraunen Kleider... Nachthemden, wie Anselm sie nennt .
Esel sind hier das Hauptfortbewegungsmittel und müssen hier harte Arbeit leisten. Wir müssen oft an Fridolin und Mia denken, die bei Andi im Allgäu ein wirklich paradiesisches Eselleben führen dürfen ...man kann aber auch schon überraschend viele, zum Teil, neue Autos sehen. Uns gefiel die Gegend dort sehr. Hinter dem Nil konnte man oft hohe Sanddünen sehen. Die Ausläufer der Sahara.
Wir fuhren in den Sonnenuntergang hinein bis zu dem Ort Albri, wo wir uns wieder mit Gidion und Christoph trafen, die mit ihren Motorrädern heute schneller waren, als wir. Auch Florian stieß später noch mit seiner Schwalbe zu uns und so hatten wir heute wieder ein nettes Nachtlager...direkt am Nil mit atemberaubendem Sternenhimmel.
Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter über die schlechte Piste...die Landschaft und Gegend war weiterhin wirklich wunderschön...das durchgeschüttelt werden, der Staub und die Hitze weniger...heute stiegen die Temperaturen auf knapp 40Grad bei nur noch 17% Luftfeuchtigkeit und wir waren ständig am Trinken, um all den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen...wir kamen langsamer voran, als gedacht und so legten wir heute noch mal einen Stop in der Wüste ein und fuhren nicht, wie erst gedacht, bis zur Nilfähre bei Agra.
Die Schaukelei über schlechte Pisten mussten wir am Tag darauf auch noch ertragen. Nur die Fahrt mit der Fähre über den Nil, brachte ein wenig Abwechslung und Erholung...als wir nach endlosen ca. 80km in Dongola ankamen, freuten wir uns unbändig, als wir wieder geteerte Strassen erreichten...nun hatte auch der super lästige Staub wieder ein Ende.
Die Jungs warteten schon seit einer Stunde auf uns in einem Straßencafe und besorgten uns gleich kalte Cola...selten hat mir eine solche, so gut geschmeckt, wie heute.
Anselm musste sich dann erst mal, mitten im Ort, um den Dicken kümmern. Nicht nur seine Fahrer hatte die schlechte Piste teilweiße sehr mitgenommen. Auch er hatte ein wenig gelitten. Das Verteilergetriebe war gefährlich lose und der Auspuff hatte etwas abbekommen. Zwar wollten wir heute nicht mehr weit fahren, aber Anselm wollte den Schaden lieber sofort vor Ort beheben. So nutzte ich die Zeit und kaufte Trinkwasser, frische Lebensmittel und füllte wieder unsere Wasserkanister auf. Hatten nochmals ca. 500km Wüstenstrecke vor uns, bis Khartoum...ab jetzt allerdings, auf geteerter Strasse.
Heute fuhren wir nur noch wenige Kilometer aus dem Ort heraus und schlugen unser Nachtlager unweit der wenig befahrenen Strasse auf...waren hundemüde.
Tags darauf schafften wir 270km in recht kurzer Zeit und beschlossen dann, heute früher als sonst stehen zu bleiben und die letzten 200km nach Khartoum am nächsten Tag zu fahren...freuten uns jetzt doch auf ein wenig mehr Zivilisation... eigentlich hauptsächlich auf eine Dusche. Die letzte ist schon wieder sieben Tage her und die letzten Tage waren extrem staubig, sandig und verschwitzt.
Auch die Motorräder hatten die Pistenfahrt nicht unbeschadet überstanden und so hatten wir mittlerweile eine richtige TO DO Liste für den Aufenthalt in Khartoum. Brauchen auch dringend mal eine 2-3tägige freiwillige Pause.
Khartoum war am nächsten Tag zügig und Problemlos erreicht. Wir waren etwas überrumpelt von den plötzlich aufkommenden Menschenmassen, dem Verkehrschaos, den Geräuschen und Düften, die eine solche Stadt mit sich bringen...und dann ging es erst mal nicht mehr weiter. Steckten fest im Verkehrchaos von Khartoum. Hier waren die Jungs auf ihren Motorrädern wieder klar im Vorteil. Sie schlängelten sich einfach zwischen den stehenden Fahrzeugen hindurch... Irgendwann ging es auch für uns wieder weiter und mit Hilfe einer guten Karte im Reiseführer, dem GPS und meinem Orientierungssinn, fanden wir ziemlich Problemlos durch die Stadt und hin zum „Blue Nile Sailing Club“ direkt am Nil, wo die Jungs schon auf uns warteten und auch Thiemo mit seiner Gruppe schon da war.
Wisst ihr, wie geil eine Dusche sein kann nach sieben Tagen Staub, Sand, Hitze, viel Sonnenmilch und Schweiß????...da kann die Dusche noch so abgefuckt sein...Hauptsache, das Wasser kommt von oben...danach fühlt man sich wie ein neuer Mensch  !!!!!!!
Die Jungs fingen noch am selben Nachmittag an, sich um ihre Motorräder und den Dicken zu kümmern. Und auch der folgende Tag war mit Pflege –und Reparaturarbeiten an den den Fahrzeugen und den Ausrüstungen ausgefüllt...
Ich nahm den Kampf gegen den Staub im Dicken auf...vor allem die Frontscheiben – und Spiegel mussten gesäubert werden, die Wäsche gewaschen, der Kühlschrank und der Boden geputzt werden...
Florian nahm seine Schwalbe einmal komplett auseinander, putze die Teile einzeln und baute sie wieder zusammen. Das können wir mit dem Dicken natürlich nicht so einfach. Aber auch so gab es einiges an ihm zu erledigen. So befestigte Anselm den Auspuff wieder neu, säuberte die Solarpanelen, die völlig verschmutzt waren und daher nicht mehr richtig luden und kümmerte sich um ein Ersatzteil an der Federung.
Außerdem konnte Anselm mit seinem Werkzeug uns seinem handwerklichen Können und Wissen, den Jungs bei ihren Reparaturarbeiten helfen.
Heute wollen wir uns noch um unsere Blogs kümmern...was ich ja gerade tue, ein Internetcafe aufsuchen und noch ein wenig von der Stadt sehen, bevor wir uns morgen wieder auf den Weg machen, in Richtung äthiopischer Grenze. Bis dahin sind es noch über 500km...also noch mal zwei Tage Fahrzeit.
Sind sehr gespannt auf Äthiopien und freuen uns, nach dann bald sieben Wochen überwiegend Steppen –und Wüstenlandschaft, wieder mehr grüne Natur zu sehen.
Der Sudan hat uns bis jetzt sehr gut gefallen. Die Landschaften sind sehr schön, die Menschen freundlich, fröhlich, offen und sehr hilfsbereit und wir haben uns hier bis jetzt immer sehr sicher und willkommen gefühlt. Schade, das der Sudan für uns nur ein Transitland bleiben wird und wir nicht mehr von diesem Land sehen und erleben können...aber unser Wunsch ist jetzt doch, bis Weihnachten oder Silvester in Tansania zu sein. Reisen und unterwegs sein ist wunderschön...aber auch sehr anstrengend und jeden Tag mit viel Arbeit verbunden und so freuen wir uns, in Tansania bei Anselms Freund Hampfrey, einige Wochen stehen bleiben zu können, eine Basis zu haben und von dort kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung machen zu können....bis dahin haben wir noch knappe 3000km Fahrt, auf zum Teil schlechten Strassen, vor uns....es wird also spannend bleiben.
Die nächsten Einträge werden wohl wieder ein wenig dauern, da wir davon ausgehen, erst wieder in der Hauptstadt von Äthiopien, in Addis Abeba, die Möglichkeit haben werden, in´s Internet zu kommen.
Wir werden mit Gidion und Christoph auf jeden Fall noch zusammen durch Äthiopien und Kenia fahren. Nehmen dabei das Gepäck von den Motorrädern in den Dicken. So tun sich die Jungs leichter, die schwierigeren Strassen und Pisten zu fahren.
Auch unsere Mitreisenden bleiben immer spannend und interessant.
Guckt auch mal auf den Blog von Gidion und Christoph. Die beiden sind Berufsfotografen und machen natürlich besonders schöne Bilder.
www.wuestenritt.de
Und auch Florian mit seiner Schwalbe hat einen Blog: www.slowwaydown.com Und wenn wir schon dabei sind, verlinken wir doch auch gleich noch Thiemo und seine Reisgruppe, die schon gestern wieder weiter gefahren sind.
www.AfricaExpeditionSupport.com